Lektion 1 von 3

Die 3 Tonwerte verstehen

Drei Tonwerte. Das klingt simpel – und technisch ist es das auch. Die Herausforderung liegt nicht im Ausführen, sondern im Entscheiden: Was wird Schwarz? Was wird Grau? Was bleibt Weiß?

Was jeder Tonwert bedeutet

Bevor du zeichnest, musst du verstehen, was jeder Tonwert macht:

Schwarz = Schatten, Masse, Dunkelheit

Schwarz ist die tiefste Stelle. Wo kein Licht hinkommt. Tiefe Schatten, dunkle Ecken, massige Formen. Schwarz gibt Gewicht und Dramatik.

  • Nutze Schwarz für: Kernschatten, Hintergründe, Schatten unter Objekten
  • Schwarz schafft: Tiefe, Dramatik, Kontrast, Masse
  • Zu viel Schwarz: Das Bild wirkt düster, schwer

Grau = Mittelton, Form, Übergang

Grau ist der Vermittler. Zwischen Licht und Schatten. Grau zeigt Form, gibt Struktur, schafft Übergänge. Ohne Grau wäre alles nur flach: Schwarz vs. Weiß, keine Tiefe.

  • Nutze Grau für: Mitteltöne, Formschatten, Strukturen
  • Grau schafft: Form, Volumen, Tiefe, Übergänge
  • Zu viel Grau: Das Bild wirkt flau, ohne Kontrast

Weiß = Licht, Leere, Helligkeit

Weiß ist die hellste Stelle. Wo das Licht direkt trifft. Highlights, Glanzpunkte, offene Bereiche. Weiß gibt Leichtigkeit und Raum zum Atmen.

  • Nutze Weiß für: Highlights, Lichter, Himmel, offene Flächen
  • Weiß schafft: Licht, Leichtigkeit, Fokus, Kontrast
  • Zu viel Weiß: Das Bild wirkt leer, ohne Substanz

Die Entscheidung treffen: Was wird was?

Hier kommt der künstlerische Teil: Du musst entscheiden. Ein Foto hat 256 Graustufen. Du hast 3. Das bedeutet: Vereinfachen.

Die Tonwert-Regel

Frage dich bei jedem Bereich:

  • Ist dieser Bereich dunkler als der Mittelton? → Schwarz
  • Ist dieser Bereich heller als der Mittelton? → Weiß
  • Liegt dieser Bereich genau im Mittelton? → Grau

Keine halben Sachen. Alles muss zu einer der drei Kategorien gehören.

Wie du den Mittelton findest

Der Trick: Kneife die Augen zusammen (Schielen). Details verschwinden, Tonwerte vereinfachen sich. Was du jetzt siehst:

  • Die dunkelsten Bereiche = werden Schwarz
  • Die hellsten Bereiche = werden Weiß
  • Alles dazwischen = wird Grau

Nicht mechanisch – sondern bewusst

Wichtig: Du kopierst nicht mechanisch. Du interpretierst bewusst.

Beispiel: Ein Gesicht im Foto hat vielleicht 20 verschiedene Grautöne. Du musst entscheiden:

  • Schattenseite des Gesichts: Schwarz (auch wenn sie im Foto dunkelgrau ist)
  • Lichtseite des Gesichts: Weiß (auch wenn sie im Foto mittelgrau ist)
  • Haare: Je nach Licht – Schwarz oder Grau
  • Augen: Schwarz für Pupillen, Weiß für Glanzpunkte

Du übertreibst bewusst. Das ist keine Schwäche – das ist die Kunst.

Deine erste Übung

Übung: 3-Tonwert-Skala erstellen

Zeit: 15 Minuten

Was du machst:

  1. Zeichne 3 Quadrate nebeneinander (ca. 5x5 cm)
  2. Erstes Quadrat: Lass es weiß (Papierweiß)
  3. Zweites Quadrat: Fülle es gleichmäßig mit Grau (50% Tonwert)
  4. Drittes Quadrat: Fülle es mit tiefstem Schwarz

Ziel:

Du hast eine klare Referenz für deine 3 Tonwerte. Lege diese Skala neben deine nächsten Zeichnungen. Vergleiche immer wieder: Ist mein Grau wirklich bei 50%? Ist mein Schwarz wirklich tief?

Übung: Foto vereinfachen (Papier)

Zeit: 30 Minuten

Was du brauchst:

  • Ein Schwarz-Weiß-Foto (ausgedruckt oder auf Tablet)
  • Transparentpapier oder Kopierpapier
  • Bleistift

Was du machst:

  1. Lege das Transparentpapier über das Foto
  2. Kneife die Augen zusammen – sieh nur Tonwerte, keine Details
  3. Zeichne grobe Bereiche: Was ist Schwarz? Was ist Grau? Was bleibt Weiß?
  4. Fülle die Bereiche mit deinen 3 Tonwerten

Ziel:

Du trainierst dein Auge, Tonwerte zu sehen und zu vereinfachen. Nicht Details kopieren – Tonwert-Bereiche erkennen.

Häufige Fehler in Lektion 1

  • Fehler: Zu viele Zwischentöne. Lösung: Entscheide dich. Jeder Bereich muss zu Schwarz, Grau ODER Weiß gehören. Kein Dazwischen.
  • Fehler: Grau ist zu hell. Lösung: Dein Grau muss wirklich bei 50% liegen. Nicht 70%. Sonst hast du kein echtes Grau.
  • Fehler: Schwarz ist nicht tief genug. Lösung: Drück fester. Mehrere Schichten. Echtes Schwarz, nicht Dunkelgrau.
  • Fehler: Mechanisch kopieren statt interpretieren. Lösung: Du darfst übertreiben. Schatten dunkler machen. Lichter heller. Das ist erlaubt.

Zusammenfassung

In dieser Lektion hast du gelernt:

  • Was jeder Tonwert bedeutet: Schwarz = Schatten, Grau = Form, Weiß = Licht
  • Wie du entscheidest: Kneife Augen zusammen, sieh Bereiche statt Details
  • Bewusst interpretieren: Nicht mechanisch kopieren, sondern übertreiben
  • Deine 3-Tonwert-Skala: Als Referenz für alle zukünftigen Zeichnungen

Nächste Lektion

Jetzt weißt du, was die 3 Tonwerte bedeuten. In der nächsten Lektion lernst du, wie du vom Foto zur 3-Tonwert-Zeichnung kommst – vereinfachen und entscheiden.

Weiter zu Lektion 2: Vereinfachen und Entscheiden →