Ausgangspunkt ist eine Felsenlandschaft. Große Blöcke, lose Steine, Spalten, Kanten. Eine Landschaft voller Richtungen.
Im ersten Versuch beginne ich ohne besondere Vorstellung. Die Linie tastet sich entlang der Formen. Sie sucht Orientierung, bleibt nahe an den sichtbaren Konturen.
Noch ist die Bewegung vorsichtig. Die Landschaft wird beschrieben.
Im zweiten Versuch ändere ich nur eine Sache: meine Vorstellung. Ich denke an Regen. Tropfen fallen auf die Felsen und folgen der Schwerkraft. Sofort verändert sich die Zeichnung.
Die Linien beginnen zu fließen. Sie suchen Rinnen, Vertiefungen, Abwärtsbewegungen. Die Felsen werden zu einer Oberfläche, über die etwas läuft.
Im dritten Versuch stelle ich mir eine Ameise vor. Sie ist nicht an die Schwerkraft gebunden. Sie läuft über Kanten, durch Spalten, quer über Flächen.
Die Linie wird nun suchender. Sie erkundet die Topografie, statt ihr nur zu folgen.
Das Motiv bleibt gleich. Aber die Bewegung der Linie verändert sich vollständig.
Die eigentliche Entdeckung dieses Tages: Nicht die Landschaft bestimmt die Zeichnung – sondern die Vorstellung, mit der ich sie betrete.